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 Burkina Faso
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  zum Reisetagebuch 2003/2004
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Radreisen im Land der ehrbaren Männer

Burkina Faso, nur ein Viertel kleiner als Deutschland, ist ein weißer Fleck auf der touristischen Landkarte. Dabei ist nicht nur die Landschaft reizvoll, besonders die Kultur der 12 Millionen Einwohner ist sehr vielfältig, leben doch hier 60 Ethnien friedlich miteinander:
Im Zentrum, rund um die Hauptstadt Ouagadougou, siedeln seit Jahrhunderten die Mossi, größte und staatstragende Gruppe des Landes. In der nur gering besiedelten Sahel-Zone im Norden betreiben Peul und Tuareg traditionell Viehwirtschaft.
Rund um Bobo-Dioulassou, zweitgrößte Stadt und kulturelles Zentrum des Südwestens, leben gleich Dutzende verschiedener Ethnien in den fruchtbaren Gebieten der Feuchtsavanne.

Thomas Sankara, charismatischer Staatspräsident seit 1983, strebte eine eigenständige Entwicklung an. Nach seiner Ermordung 1987 orientiert sich die Regierung unter Blaise Campaoré wieder stark an der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und befolgt die Vorgaben des IWF, dabei wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer. Noch immer sind 90% der Frauen Analphabeten. Während in Ouagadougou und einigen anderen Städten eine hauchdünne Schicht ein Luxusleben führt, scheint die Zeit in den Dörfern und Landstädten manchmal rückwärts zu laufen.

Aufmerksame Touristen werden die schroffen sozialen Gegensätze, gesellschaftlichen Defizite und die schweren Umweltsünden bemerken. Das frühere Obervolta zählt zu den 15 ärmsten Ländern, doch ist die politische Lage und die Versorgung relativ stabil. Die Kriminalität ist gering und das Reisen ist einfach.

Burkina Faso: DAS Fahrradland Westafrikas. Unterkünfte und Verpflegung

Es gibt gute Gründe, auch oder gerade in Burkina Faso mit dem Fahrrad zu reisen:

      • Es ist den Verhältnissen angepasst, denn auch viele Burkinabé fahren mit dem Rad, wenn auch meist nur kurze Strecken. Wer als Weißer längere Strecken bewältigt, erntet ehrfürchtiges Staunen von den Einheimischen. Fahrrad-Werkstätten und einfache Ersatzteile finden sich in jedem Dorf.
      • Das Land ist eben bis hügelig, optimal für Alltagsradler mit etwas Kondition.
      • Überlandbusse und Buschtaxis nehmen gegen einen geringen Aufpreis das Fahrrad mit. So kann man auch einmal größere Strecken überbrücken.
      • Schnorrer und Straßenhändler belästigen gerne Reiche. Wer ein Auto oder im klimatisierten Reisebus fährt, gilt als reich.
      • Mit dem Rad kommt man leichter ins Gespräch, da man überall anhalten kann und häufig nach dem Weg fragen oder eine Kleinigkeit kaufen kann / muss. Das Grüßen gehört zu den wichtigsten Ritualen, also nicht mit der Tür ins Haus fallen! Auch woher man kommt, wohin man fährt, kann man Jedem mit ein paar Brocken Französisch erklären.
      • Selbst an kaum befahrbaren Pisten und in abgelegenen Dörfern gibt es Straßenhändler und Läden, wo man sich mit Getränken, Obst und Snacks versorgen kann.
      • Hotels sind zwar nur in größeren Städten zu finden, aber einfache Unterkünfte sind auf Nachfrage in Dörfern entlang der Hauptrouten zu finden, gelegentlich auch Campements mit landestypischen Rundhütten.
Klima und Reisezeit

Zwischen November und März ist Trockenzeit, danach steigen die Mittagstemperaturen deutlich über 35°C, und besonders im Süden und Südwesten beginnt die Regenzeit. In der Sahelregion ganz im Norden fällt dann unregelmäßig und wenig Regen. Allerdings kann es dann auch lokal zu verheerenden Überschwemmungen kommen wie zuletzt 2007.

Einreisebestimmungen

Für EU-Bürger ist ein max. 3 Monate gültiges Visum nötig, ein noch 6 Monate gültiger Reisepass und der Nachweis einer Gelbfieber-Impfung im Internationalen Impfbuch. Eine Malaria-Prophylaxe ist zwar nicht vorgeschrieben, aber dringend anzuraten.

Währung

Zahlungsmittel ist der CFA-Franc, der fest an den Euro gekoppelt ist (1€ = 656 CFA). Ein Umtausch ist nur im Land sinnvoll. Einige Banken akzeptieren Visa-Karten, die Ecobank Burkina sogar Visa Plus.

Straßen und Verkehr
Pistenradler
Das Netz der asphaltierten Überlandstraßen ist sehr überschaubar: Sternförmig gehen sie von der Hauptstadt Ouagadougou ins Land und enden meist in einer Provinzstadt. In die Nachbarstaaten führt meist nur eine asphaltierte Straße. Asphaltierte Straßen sind in einem vergleichsweise ordentlichen Zustand, schnurgerade und mautpflichtig, wovon Radfahrer aber verschont bleiben. Man muss damit rechnen, an Polizeikontrollen und Mautstellen kontrolliert zu werden (Pass, Impfpass). Außerhalb der großen Städte ist der Autoverkehr sehr gering.
Die übrigen Verbindungen sind Pisten, häufig schwer zu finden, ohne Beschilderung, daher muss man nach dem Weg fragen. Die Pisten sind manchmal etwas sandig, aber insbesondere im feuchteren Süden von Mahagonibäumen gesäumt, was das Radfahren sehr angenehm macht, zumal kaum Autos auf den Pisten verkehren. Lkw wirbeln aber viel Staub auf und rußen stark; Radfahrer und Fußgänger sollten sich rechtzeitig auf die Seite retten, die dem Wind zugewandt ist.
Während der Regenzeit sind die meisten Pisten und auch einige asphaltierte Straßen selbst für Autos unpassierbar.

Tips für die Radreise

Fahrrad mitbringen oder leihen?
Radfahren ist in Burkina Faso sehr populär. Entsprechend häufig finden sich Fahrradwerkstätten und gängige (meist gebrauchte) Ersatzteile bei Straßenhändlern und auf Märkten. Spezialteile und Schaltungen sind fast nur bei Händlern in den größeren Städten zu finden.
Ein gutes Fahrrad zu kaufen oder zu leihen ist schwer, da die meisten Burkinabé arm sind. Händler und Hotels verleihen manchmal einfache Fahrräder und Mofas. Es empfiehlt sich daher, ein stabiles Rad mitzunehmen (im Flugzeug mit Falttasche, Kartons reißen schnell und lassen sich kaum zwischenlagern).
Tip: Vor der Rückreise das Fahrrad säubern lassen!

Disziplin auf den Radwegen in Ouagadougou
Die Hauptstraßen von Ouagadougou sind meist von 3 m breiten Fuß-, Rad- und Mopedwegen gesäumt. Sie sind benutzungspflichtig, Radfahrer sollten sich rechts halten und vorausschauend fahren, da die vielen Mopedfahrer schnell und in geringem Abstand überholen.

Verkehrsregeln
Die Einhaltung von Verkehrsregeln wird auch bei Radfahrern akribisch überwacht. Kleinkarierte Polizisten ahnden besonders gerne bei Ausländern Verstöße. Die Missachtung von roten Ampeln oder eines Stoppschilds kann zu langwierigen Vorhaltungen, Strafen und sogar zum zeitweiligen Einziehen des Fahrrads führen. Wer z. B. erst hinter dem Stoppschild hält, um die Querstraße besser einsehen zu können, zahlt 4800 CFA (7 €).

Reiseführer und Karten

Nur in Französisch gibt es Reiseführer speziell für Burkina Faso. Auf Deutsch ist der Westafrika-Band 1 (Sahel-Länder) aus dem Reise Know-How-Verlag erwähnenswert. Karten (etwa Michelin) sind in brauchbarem Maßstab erhältlich.

Radreise im grünen Südwesten

Über den Jahreswechsel 2003/04 führt mein Reisetagebuch in Lehmdörfer mit Fetischen der Animisten, die seltsamen Kalksteinformationen um Bobo-Dioulasso, zu Flusspferden, Wasserfällen, in die Hauptstadt Ouagadougou - und nach Laongo, wo Steinmetze und Granit aufeinandertreffen.

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Letzte Änderung: 18.11.2009